Auffällig ist zunächst die unverschämt gute Grafik, angetrieben von der Crytek-Engine wird eine wunderschöne Manga-Welt auf den Bildschirm gezaubert. Entgegen meiner Befürchtungen hält sich aber der Hardwarehunger in Grenzen und mit ein paar Anpassungen bei den Details läuft das Spektakel sogar auf meinem, doch recht betagten Rechner, noch zufriedenstellend.
Anfangs stehen einem die typischen Fantasy Archetypen Krieger, Magier, Späher und Priester zur Verfügung, ab Level 10 kann man sich dann je nach gewählter Grundklasse spezialisieren. Beim Krieger wählt man dann beispielsweise ob man als Gladiator oder Templer weiter durch die Lande zieht. Auch wenn die Klassen exotisch klingen (zb. der Kantor, der im englischen übrigens Chanter heißt) ist doch alles ziemliche Standartkost und bietet wenig neues. Gut gelungen ist die Charaktererstellung, hier kann man an so einigen Reglern drehen und tief in den Farbtopf greifen und somit ziemlich sicher mit einem einzigartigen Charakter in das Spiel starten.
Die Welt in der man sich bewegt nennt sich Artreia und ist eine Art hohler Planet dessen Leben sich im Inneren abspielt. Auf der Unterseite dieser Kugel leben die Elyos und die Oberseite wird von den Asmodiern in Beschlag genommen. Einst waren diese beiden Fraktionen ein Volk, das aber dann im Streit um den Turm der Ewigkeit, der die beiden Hälften der Welt verband, auseinandergingen und nun im Krieg stehen da sie sich jeweils gegenseitig die Schuld an der Zerstörung des Turms in die Schuhe schieben. Spieltechnisch wird das erst ab lvl 25 relevant, da man ab da den "Abyss" betreten darf, die Reste des Turms der Ewigkeit die nun in der Mitte der Kugel schweben. Dort gibt es einerseits PvP mit der jeweils anderen Fraktion, aber auch PvE Elemente mit der dritten NPC-Fraktion im Spiel, den Balaur.
Soviel zum Grundlegenden Setting des Spiels, ich hab es mal gewagt und mir den, mit 8gb doch recht üppigen, Client heruntergeladen und mich ins Getümmel geworfen. Im Startgebiet angekommen war mein erster Gedanke etwas in der Richtung "das ist aber ein hübscher Asia Grinder" das bezog sich aber nur auf das Kampfsystem das mich leider auch nach etlichen Stunden nicht so recht begeistern konnte, mag sein das der unvermeidliche Lag schuld war (die Server stehn immerhin irgendwo in China), aber so ganz Glauben mag ich das nicht. Im Gegensatz zum typischen Vertreter dieses Genres fordert Aion nicht mehr stupide Monsterklopferei als es unsere westlichen MMO's tun und bietet stattdessen jede Menge Quests die einen Schritt für Schritt durch das Gebiet führen, so wie man das eben bei uns dank WoW und Co. gewohnt ist. So prügelt man sich dann durch allerlei skurile Gegnerscharen die dem Asia-Setting zuzuschreiben sind und bewegt sich auf lvl 10 zu, dort erfährt die Hauptquestreihe ihren ersten Höhepunkt und man wird zu einem Daeva, einem geflügelten göttlichen Wesen das Energie aus dem Äther absorbiert und damit seine Kräfte stärkt.
Ganz recht, man bekommt Flügel und die sind auch zum fliegen da. Leider kann man aber nicht durch die Gegend segeln wie es einem gerade beliebt, einerseits geht das nur in bestimmten Gebieten und andererseits ist die Flugzeit begrenzt. Dafür kann man aber auch im Flug wie gewohnt kämpfen. Laut Entwickler soll das ein entscheidendes taktisches Feature für die Kämpfe im Abyss werden. Ich hatte nur sehr begrenzt Erfahrungen mit der Fliegerei da ich nur bist Stufe 13 gespielt habe, aber so sonderlich aufregend fand ich es ehrlich gesagt nicht, die Flügel sind zwar ganz nett anzusehen, aber dadurch das man nur an bestimmten Orten fliegen kann (unsichtbare Wände mitten in der Luft!) und die Flugzeit begrenzt ist, hält sich der Nutzen doch in Grenzen. Aber wie gesagt, mag sein das ich dieses Feature einfach nicht genügend ausgetestet habe.
Ich habe nun zwar meinen Account an meine Mitbewohnerin abgetreten, aber wer weiß, vielleicht schnupper ich doch noch ein wenig in Aion rein. Bisher muss ich leider sagen das Aion zwar ziemlich gut aussieht, eigentlich auch vieles richtig macht, aber am Ende doch zu wenig neues bietet. Sehr fraglich ist leider auch das Endgame, da steht nur das "Abyss" schwammig am Horizont und niemand weiß so recht was man dort zu erwarten hat.
Abschließend bleibt zu sagen das mich Aion wohl nicht in seinen Bann ziehen wird, das liegt einerseits am Kampfsystem das mich einfach nicht fesseln mag, das fragliche Endgame und dann ist da noch der Mangastil der mich, auch wenn er gut gemacht ist, abschreckt, aber der ist Geschmackssache und findet sicherlich auch hierzulande seine Anhänger.
Ich wünsche Aion seine Nische am Markt, die hat es sicherlich verdient, dem Primus in diesem Genre wird es aber wohl leider nicht viele Abonnenten streitig machen.
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